Maturität auf dem zweiten Bildungsweg

Das Nachholen von schulischen oder beruflichen Abschlüssen wird als zweiter Bildungsweg bezeichnet. Wer an einer Uni oder Fachhochschule studieren will, kann auch als Erwachsener oder Erwachsene die Maturität nachholen.

Zusammenfassung

  • Sie können die Maturität nachholen, wenn Sie als Erwachsene oder Erwachsener studieren möchten.
  • Mit der gymnasialen Maturität dürfen Sie an Universitäten und an der ETH studieren.
  • Sie können die Maturität an öffentlichen oder privaten Schulen oder im Selbststudium nachholen. Die Bedingungen und Kosten sind unterschiedlich.

Wer auf diesem Weg die Berufsmaturität oder die gymnasiale Maturität macht, öffnet sich den Zugang zu Fachhochschulen, Universitäten und ETHs. Auch wenn es noch andere Möglichkeiten gibt: Nach wie vor ist die gymnasiale Maturität der Köngisweg an Universität und ETH. Ebenso ist die Berufsmaturität der Hauptzugang an die Fachhochschulen.

Gymnasiale Maturität

Grundsätzlich erlaubt Ihnen eine gymnasiale Maturität den Zugang zu einer Universität / ETH und eine Berufsmaturität den Zugang zu den Fachhochschulen. Die gymnasiale Maturität bescheinigt Ihnen, dass Sie die Hochschulreife erlangt haben. Das Maturitätszeugnis wird Ihnen nach dem Bestehen der Maturitätsprüfungen ausgehändigt. Massgebende Fächer für das Maturitätszeugnis sind zehn Grundlagenfächer, ein Schwerpunktfach und ein Ergänzungsfach. Die Maturitätsprüfung findet an den Gymnasien im Kanton Zürich in sechs Fächern statt, in den restlichen Fächern zählen die Erfahrungsnoten. Zusätzlich ist eine Maturitätsarbeit zu verfassen.

Die Grundlagenfächer gewähren Ihnen eine breit gefächerte und solide Allgemeinbildung; mit dem Ergänzungsfach können Sie die durch das Schwerpunktfach gewählte Ausrichtung verstärken oder kompensieren.

Im Kanton Zürich werden folgende sechs Maturitätsprofile mit den entsprechenden Schwerpunktfächern angeboten:

Maturitätsprofil

Schwerpunktfächer

Altsprachliches Profil

Latein und/oder Griechisch

Neusprachliches Profil

eine der modernen Sprachen

Mathematisch-naturwissenschaftliches Profil

Biologie und Chemie oder Physik und Anwendungen der Mathematik

Wirtschaftlich-
rechtliches Profil

Wirtschaft und Recht

Musisches Profil

Bildnerisches Gestalten oder Musik

Philosophisches /
Psychologisches /
Pädagogisches Profil

Philosophie, Psychologie, Pädagogik

Alle Maturitätstypen berechtigen zu einem universitären Studium. Falls Sie sich später für ein Studienfach entscheiden, das Latein- oder Griechischkenntnisse verlangt, können Sie diese Kenntnisse auch während des Studiums an der Universität nachholen. Entsprechende Kurse werden von den Universitäten angeboten. Eine gymnasiale Maturität berechtigt Sie auch zu einem Studium im Ausland.

Berufsmaturität

Die Berufsmaturität wird in der Regel parallel zur beruflichen Grundbildung (Lehre) erworben (BM 1). Sie kann aber auch erst nach der Lehre absolviert werden (BM 2). Die BM 2 dauert Vollzeit ein Jahr, Teilzeit eineinhalb bis zwei Jahre. Zur Ausbildung wird zugelassen, wer ein Fähigkeitszeugnis vorweisen kann und eine Aufnahmeprüfung bestanden hat. Mit guten schulischen Vorleistungen ist ein prüfungsfreier Eintritt in die BM 2 möglich.

Weitere Informationen zu den Voraussetzungen für eine prüfungsfreie Aufnahme in die BM 2 finden Sie im Artikel BMS 1 und BMS 2 –Berufsmaturitätsschule während oder nach der Lehre.

Die passende Ausrichtung

Die Berufsmaturität wird in folgenden fünf Ausrichtungen angeboten. Bei der BM 1 wird die Ausrichtung passend zur beruflichen Grundbildung gewählt. Bei der BM 2 wird die Ausrichtung sinnvollerweise am vorgesehenen Studiengang der Fachhochschule oder an den Berufszielen ausgerichtet.

Ausrichtungen

Gestaltung und Kunst

Gesundheit und Soziales

Wirtschaft und Dienstleistungen

  • Typ Wirtschaft
  • Typ Dienstleistungen

Natur, Landschaft und Lebensmittel

Technik, Architektur, Life Sciences

Die Berufsmaturität ist Voraussetzung für den Eintritt ins erste Semester an einer Fachhochschule. Je nach gewählter Studienrichtung muss jedoch gemäss Vorgaben der einzelnen Fachhochschulen zusätzlich ein Aufnahmeverfahren durchlaufen werden. Weitere Informationen zur Berufsmaturität finden Sie beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt und beim SBFI.

Wie erwerbe ich eine Maturität auf dem zweiten Bildungsweg?

Öffentliche und private Schulen

Sie können die gymnasiale Maturität und die Berufsmaturität (BM 2) sowohl an öffentlichen als auch an privaten Ausbildungsinstitutionen oder im Selbststudium nachholen. Die öffentlichen und die privaten Anbieter unterscheiden sich in einigen Belangen. Zum Beispiel, was die Aufnahmebedingungen betrifft, welche Maturitätsprofile oder Unterrichtsformen (Voll- oder Teilzeit, Fernkurs) gewählt werden können und wie hoch das Schulgeld ist. Zu beachten ist auch, ob Sie in der Schule eine interne Maturität (sogenannte Hausmaturität) ablegen können oder ob diese extern (sogenannte Fremdmaturität) von der Schweizerischen Maturitätskommission bzw. der Eidgenössischen Berufsmaturitätskommission durchgeführt wird. Bei der Hausmaturität werden die Erfahrungsnoten angerechnet, bei der Fremdmatura gibt es keine Vornoten.

Die wichtigsten Anbieter im Kanton Zürich

Öffentliche Schulen

kme.ch

gymnasiale Maturität

zh.ch/mba

Berufsmaturität

Privatischulen

academia-matura.ch (Internationale Matura, A-Level*)

academic-gateway.ch

akad.ch/college

gymnasiale Maturität

academic-gateway.ch/bms

akad.ch/college

juventus.ch/berufsmatura

minervaschulen.ch

Berufsmaturität

* Die Zulassung zu schweizerischen Universitäten ist nicht einheitlich und hängt von zusätzlichen Bedingungen ab.

Die Zeit für die Vorbereitung auf die gymnasiale Maturität kann sich je nach Vorbildung verkürzen. So können Berufsmaturandinnen und -maturanden unter gewissen Voraussetzungen an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) ins dritte Semester einsteigen. Eine Aufnahme ins dritte Semester der KME ist unter gewissen Bedingungen auch für Absolventinnen und Absolventen einer anerkannten Handels-, Informatik- oder Fachmittelschule möglich.

Wenn Sie die gymnasiale Maturität im Selbststudium, d. h. ohne den Besuch einer vorbereitenden Schule, erwerben möchten, müssen Sie sich direkt bei den schweizerischen Maturitätsprüfungen einschreiben. Anhand der Verordnung und anhand von Prüfungsaufgaben früherer Jahre können Sie den Schwierigkeitsgrad der Prüfung in etwa abschätzen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass eine eigenständige Vorbereitung schwierig ist. Die Verordnung über die schweizerischen Maturitätsprüfungen, Angaben zur Anmeldung und Einschreibung sowie Aufgaben früherer schweizerischer Maturitätsprüfungen finden Sie auf der Webseite des SBFI.

Auch die Berufsmaturitätsprüfung können Sie nach individueller Vorbereitung ablegen. Wichtige Informationen zur Anmeldung und den Stoffplänen sowie Musterprüfungen und weitere hilfreiche Dokumente finden Sie auf der Webseite des SBFI.

Die Aufgaben früherer schweizerischer Maturitätsprüfungen sowie früherer eidgenössischer Berufsmaturitätsprüfungen befinden sich auf den jeweiligen Webseiten in einem passwortgeschützten Bereich. Ein Zugang wird nach Einreichen eines begründeten Antrags erteilt und gilt für ein Kalenderjahr.

Auswahl der Ausbildungsinstitution

Vergleichen Sie die Ausbildungsinstitutionen und deren Angebote, und überlegen Sie, welche Ihrer persönlichen Situation am meisten entsprechen.

Ein Gradmesser für die Qualität der Schule ist die Quote erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen. Verlangen Sie dazu die statistischen Angaben. Überlegen Sie sich auch, welches Profil oder welche Fachrichtung für Sie in Frage kommt, welche Unterrichtsform Ihnen am ehesten liegt und Ihrer gegenwärtigen beruflichen und persönlichen Situation entgegenkommt.

Kosten

Prüfen Sie, welche finanziellen Belastungen Sie tragen können. Eine allfällige Stipendienberechtigung klären Sie am besten vorgängig ab.

Erste Informationen und Hinweise auf weitere Informationsmöglichkeiten finden Sie im Artikel Stipendien und Darlehen – das Wichtigste in Kürze.

Zugang zur Universität und ETH ohne gymnasiale Maturität

Aufnahmeprüfung

Grundsätzlich können Sie die Zulassung zum Studium an einer Universität oder ETH mit einer Aufnahmeprüfung erlangen. Ausgenommen davon sind die Medizinalstudien (Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie). Der Inhalt der Prüfungen entspricht im Wesentlichen den schweizerischen Maturitätsprüfungen.

Informationen zur Aufnahme an Uni und ETH

uzh.ch

Uni Zürich

ethz.ch

ETH Zürich

«sans Matu» / Studieren ohne Maturität

An den Universitäten Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg, Zürich und der italienischen Schweiz sowie an der ETH Zürich und der EPFL Lausanne ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, zu einigen Fachrichtungen ohne Maturitätszeugnis («sans matu» / Studieren ohne Maturität) zugelassen zu werden. Dabei kommen besondere Aufnahmeverfahren zur Anwendung, die von Universität zu Universität, von Fakultät zu Fakultät verschieden sind. Oft wird ein bestimmtes Mindestalter vorausgesetzt. Weitere Informationen dazu sind zu finden auf swissuniversities.ch.

Passerelle

Berufs- und Fachmaturandinnen und -maturanden erhalten beim Bestehen der Ergänzungsprüfung «Passerelle» Zugang zu allen schweizerischen universitären und pädagogischen Hochschulen und zu allen Studienrichtungen. Zugang zu ausländischen Hochschulen verschafft die Passerelle aber nur dort, wo diese freiwillig anerkannt wird.

Weitere Informationen zur Passerelle finden Sie im gleichnamigen Artikel.

Mit FH-Diplom

Mit einem FH-Diplom sind Sie zu allen universitären Bachelorstudien zugelassen. Je nach Studiengang können Sie auch direkt ein Masterstudium in Angriff nehmen. Dabei müssen jedoch meist gewisse Auflagen erfüllt werden.

Veröffentlicht: 16.07.2026, 15:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02.09.2026, 10:44 Uhr

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