BMS 1 und BMS 2 – Berufsmaturitätsschule während oder nach der Lehre
Die Berufsmaturitätsschule (BMS) bietet eine erweiterte Allgemeinbildung. Mit einer Berufsmaturität (BM) besteht die Möglichkeit, an einer Fachhochschule zu studieren. Durch das Ablegen einer zusätzlichen Ergänzungsprüfung (Passerelle) ist anschliessend ein Studium an einer universitären Hochschule (Universität / Eidgenössische Technische Hochschule) oder pädagogischen Hochschule möglich.
Zusammenfassung
- Die Berufsmaturitätsschule (BMS) kann während oder nach der Lehre absolviert werden.
- Mit dem Abschluss der Berufsmaturität kann an einer Fachhochschule studiert werden.
- Es gibt verschiedene Richtungen in der BMS. Die passende Richtung hängt vom erlernten Beruf oder dem gewünschten Studium ab.
- Für die Aufnahme muss in der Regel eine Prüfung absolviert werden. Unter gewissen Bedingungen kann man ohne Prüfung zugelassen werden.
Die Berufsmaturitätsschule kann während der beruflichen Grundbildung (drei- oder vierjährige Lehre) besucht werden (BM 1). Für die Zulassung gelten verschiedene Bedingungen und es braucht die Einwilligung des Arbeitgebers. Die BM kann auch nachträglich erlangt werden (BM 2). Auch in diesem Fall sind für die Aufnahme an eine Berufsmaturitätsschule verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. Die BM 2 kann Vollzeit oder Teilzeit absolviert werden. Weiter besteht die Möglichkeit, sich nach individueller Vorbereitung an die eidgenössische Berufsmaturitätsprüfung anzumelden.
Verschiedene Wege – ein Ziel
Für den Erwerb der Berufsmaturität gibt es drei Möglichkeiten:
- während der beruflichen Grundbildung (BM 1)
- nach einer abgeschlossenen beruflichen Grundbildung als Vollzeitlehrgang oder berufsbegleitend als Teilzeitlehrgang (BM 2)
- Besuch einer Handelsmittelschule (HMS) oder Informatikmittelschule (IMS) (HMS und IMS führen zur Berufsmaturität der Ausrichtung Wirtschaft und Dienstleistungen, Typ Wirtschaft)
Die passende Ausrichtung
Die Berufsmaturität wird in fünf Ausrichtungen angeboten. Bei der BM 1 wird die Ausrichtung passend zur beruflichen Grundbildung gewählt, bei der BM 2 wird der Schwerpunkt sinnvollerweise am vorgesehenen Studiengang der Fachhochschule oder an den Berufszielen ausgerichtet.
BMS 1 – Berufsmaturitätsschule während der Lehre
Die BM 1 dauert normalerweise so lang wie die Lehre und wird gleichzeitig absolviert. Die BMS wird also entweder während vier Jahren jeweils an einem Schultag pro Woche oder während drei Jahren an einem bis eineinhalb Schultagen pro Woche besucht. Die Anmeldung für die BM 1 soll bereits vor Erhalt des unterschriebenen Lehrvertrags erfolgen. Einige Berufsmaturitätsschulen bieten zweisprachigen – oder bilingualen – Unterricht («bili») an. Zusätzlich zum Fremdsprachenunterricht werden im bilingualen Unterricht einige Fächer auf Deutsch und in einer zweiten Sprache (zum Beispiel Englisch oder Französisch) unterrichtet.
Anmeldung
Für die Anmeldung muss neben dem offiziellen Anmeldeformular eine Kopie des letzten Schulzeugnisses sowie, falls bereits vorhanden, eine Kopie des Lehrvertrags, eingereicht werden. Die Anmeldung an die Aufnahmeprüfung erfolgt über die Webseite Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP).
Anmeldefrist
Die Anmeldung mit Eintritt im Sommer ist jeweils von Anfang Januar bis Mitte Februar möglich. Das genaue Datum ist zu finden auf der Website Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP).
Prüfungsgebühr
Bei der Anmeldung zur Prüfung wird eine Prüfungsgebühr von CHF 50.– fällig.
Aufnahmeprüfung
Es findet nur eine schriftliche Aufnahmeprüfung statt. Die Prüfung ist für alle Ausrichtungen einheitlich. Die Prüfungsfächer sind Deutsch (50 %) und Mathematik (50 %):
- Deutsch: Verfassen eines Textes (90 Minunten)
- Sprachbetrachtung und Textverständnis (45 Minuten)
- Mathematik: 90 Minuten
Es muss keine praktische Aufnahmeprüfung für die Richtung «Gestaltung und Kunst» absolviert werden.
Vornoten
Die Erfahrungsnoten oder Vorleistungsnoten (Vornoten) werden bei Schülerinnen und Schülern berücksichtigt, die zum Zeitpunkt der Prüfungsanmeldung die 3. Klasse einer öffentlichen zürcherischen Sekundarstufe in der Abt. A besuchen. Falls Anforderungsstufen geführt werden, müssen alle in Anforderungsstufen geführten Fächer in der höchsten Anforderungsstufe absolviert werden. Die Vorleistungsnote wird aus den Fachbereichen Deutsch, Mathematik, Französisch, Englisch sowie Natur und Technik berechnet. Jeder Fachbereich zählt gleich viel (je ein Fünftel). Es zählen die Vornoten aus dem Zeugnis des ersten Semesters des letzten Schuljahrs.
Bei Schülerinnen und Schülern aus einem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) werden die Vornoten nicht berücksichtigt.
Nachprüfungen
Wer den Lehrvertrag erst nach dem Anmeldetermin für die BM-Aufnahmeprüfung erhält oder wer entschuldigt nicht an der Aufnahmeprüfung teilnehmen konnte, kann an der Nachprüfung teilnehmen. Diese findet jeweils im Juni statt.
Prüfungsfreier Zugang
Schülerinnen und Schüler aus folgenden Schulen können prüfungsfrei in die BM 1 wechseln, wenn sie an der bisherigen Schule in die nächste Klasse übertreten könnten:
- aus dem Langgymnasium ab der 3. Klasse
- aus dem Kurzgymnasium
- aus einer öffentlichen Handelsmittelschule
- aus einer öffentlichen Informatikmittelschule oder Fachmittelschule
Nicht möglich ist die prüfungsfreie Aufnahme in die BM 1 bei bestandener Aufnahmeprüfung an ein Kurzgymnasium, eine Handels-, Informatik oder Fachmittelschule. Auch wer prüfungsfrei in die BM eintreten kann, muss sich fristgerecht auf der Seite Zentrale Aufnahmeprüfung bei der gewünschten Schule anmelden.
Schulkosten
Der Besuch der BMS ist kostenlos, das Schulmaterial muss jedoch bezahlt werden.
Neue BM Modelle
BM 1 flex
Die Doppelbelastung von Berufslehre und BM ist gross. Deshalb soll die BM 1 flexibler gestaltet werden. Ein flexibleres BM-Modell ist die «BM 1 flex». Mit der BM 1 flex bekommen die Lehrbetriebe und die Jugendlichen mehr Zeit für die praktische Ausbildung. Aber auch zum Lernen des BM Stoffes. Das Modell wird momentan für die folgenden Berufe angeboten:
- Laborant/in EFZ
- Fachfrau/Fachmann Betreuung EFZ
- Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ
- Lebensmitteltechnologe/-technologin EFZ
- Augenoptiker/in EFZ
Die Lernenden erwerben dabei wie bisher das EFZ in drei Jahren, verbringen aber weniger Tage in der BMS. In einem vierten Jahr können sie bei einem Arbeitspensum von höchstens 80 % die BM abschliessen.
KV BM Fokus
Dieses BM-Modell wird für den Beruf Kaufmann/Kauffrau EFZ angeboten. Die Lernenden besuchen im ersten Lehrjahr Vollzeit die Schule am KV Zürich. Ab dem zweiten Lehrjahr liegt der Fokus auf der Ausbildung im Betrieb: Im zweiten und dritten Lehrjahr besuchen die Lernenden die Schule nur noch an einem Tag pro Woche. Nach der bestandenen BM-Aufnahmeprüfung entscheidet der Lehrbetrieb, wer in dieses Modell einsteigen darf. Ähnliche Angebote für weitere Berufe sollen eingeführt werden.
BMS 2 – Berufsmaturitätsschule nach abgeschlossener Lehre
Vorbereitung
Die BM 2 kann an öffentlichen oder privaten Schulen absolviert werden. Die Vollzeitausbildung dauert ein Jahr, der berufsbegleitende Teilzeitlehrgang zwischen ein und zwei Jahren. Informationen zu den einzelnen Schulen im Kanton Zürich befinden sich in den biz auf dem Regal «Berufsmaturität». Die Berufsmaturitätsprüfung kann auch ohne Besuch einer vorbereitenden Schule abgelegt werden. Dazu ist alles Wichtige wie Zeitpunkt, Anmeldung, Stoffpläne und mehr zu finden auf der Website des Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).
Voraussetzung für die BM 2 ist ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Anmeldung für die BM 2 kann vor Abschluss der Berufslehre erfolgen, das heisst, das EFZ kann noch ausstehend sein.
Aufnahmeprüfung
Die Aufnahmeprüfung ist für die BM 1 und BM 2 inhaltlich sowie für alle Ausrichtungen identisch (Details siehe unter BMS 1). Bei der Aufnahmeprüfung für die BM 2 werden keine Vornoten berücksichtigt. Die Gesamtnote der Aufnahmeprüfung muss mind. 4,25 betragen.
Prüfungskosten und Anmeldefrist
Bei der Anmeldung zur Prüfung wird eine Prüfungsgebühr von CHF 50.– fällig. Das Anmeldefenster für die BM 2 ist jeweils von Anfang Januar bis Mitte Februar.
Schulkosten
Für Lernende mit Wohnsitz im Kanton Zürich ist der Besuch einer öffentlichen BMS kostenlos (das Schulmaterial muss selber bezahlt werden). Interessierte aus anderen Kantonen bezahlen ein Schulgeld. Private Schulen verlangen von allen Lernenden ein Schulgeld.
Prüfungsfreier Zugang
Wer gute schulische Vorleistungen mitbringt, kann prüfungsfrei in die BM 2 eintreten. Dies ist in folgenden Fällen möglich (Ausnahme Typ Wirtschaft):
- direkt im Anschluss an die Berufslehre: mit einem Notendurchschnitt von mind. 5,0 (Schnitt aller Semesterzeugnisse bis zum Ende des zweitletzten Semesters der Berufslehre)
- nicht direkt im Anschluss an die Berufslehre: abgeschlossenes EFZ mit einer Gesamtnote von mindestens 5,0; Abschluss darf nicht mehr als 2 Jahre zurückliegen
- innerhalb der letzten zwei Kalenderjahre abgebrochene BM 1 mit gleicher Ausrichtung
Ausnahme Typ Wirtschaft
Für den Typ Wirtschaft ist eine prüfungsfreie Zulassung unter folgenden Voraussetzungen möglich:
- innerhalb der letzten zwei Kalenderjahre abgebrochene BM 1 mit Ausrichtung Wirtschaft und Dienstleistung, Typ Wirtschaft
- im Jahr 2024 oder 2025 abgeschlossene berufliche Grundbildung Kauffrau/Kaufmann EFZ, E-Profil mit einem Durchschnitt von mindestens 4,5 in den Fächern Standardsprache, erste Fremdsprache, zweite Fremdsprache sowie Wirtschaft und Gesellschaft I und II
- im Jahr 2026 abgeschlossene berufliche Grundbildung Kauffrau / Kaufmann EFZ im mit einer Gesamtnote von mindestens 4,5
Wenn zum Zeitpunkt des Entscheids über die prüfungsfreie Zulassung die entsprechenden EFZ-Fachnoten noch nicht bekannt sind, wird das Semesterzeugnis des 5. Semesters hinzugezogen.
Der Zugang zur BM Typ Wirtschaft steht auch Personen ohne kaufmännisches EFZ offen. Sie müssen jedoch immer eine Aufnahmeprüfung absolvieren. In der BM Typ Wirtschaft gelten in den Sprachfächern sowie im Finanz- und Rechnungswesen hohe Anforderungen. Allfällige Lücken in diesen Bereichen müssen selber geschlossen werden.
Für den prüfungsfreien Zugang zur BM gelten die gleichen Fristen wie bei Anmeldung mit Aufnahmeprüfung.
Berufsmaturitätsschulen im Kanton Zürich
Eine Übersicht über die privaten Berufsmaturitätsschulen im Kanton Zürich ist zu finden auf der Website des Mittelschul- und Berufsbildungsamts.
Auskunftsstelle für alle Ausrichtungen sowie Anmeldefristen, Prüfungsdaten, Orientierungsveranstaltungen und so weiter ist das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich.
Das Berufsmaturitätsreglement ist zu finden in der Zürcher Gesetzessammlung.
Diese Übersicht dient ausschliesslich der Information und stellt keine Empfehlung dar. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Qualitätssicherung. Für verlinkte Inhalte wird jede Haftung ausgeschlossen.
Veröffentlicht: 07.07.2026, 14:22 Uhr
Zuletzt aktualisiert: 02.09.2026, 10:54 Uhr
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